Mindestanzahl an Sicherheitsvertrauenspersonen berechnen
Was Unternehmen laut ASchG beachten müssen
Sicherheitsvertrauenspersonen (SVPs) übernehmen eine zentrale Rolle im betrieblichen Arbeitnehmer:innenschutz. Sie unterstützen Unternehmen dabei, Arbeitssicherheit und Gesundheitsprävention aktiv im Arbeitsalltag zu verankern und dienen als wichtige Ansprechpersonen für Beschäftigte.
Doch ab wann müssen Unternehmen überhaupt Sicherheitsvertrauenspersonen bestellen? Und wie viele SVPs sind gesetzlich vorgeschrieben?
Gerade kleinere und mittlere Unternehmen sind bei diesen Fragen häufig unsicher.
Die Mindestanzahl an Sicherheitsvertrauenspersonen ist in Österreich gesetzlich geregelt und richtet sich unter anderem nach der Anzahl der Beschäftigten sowie den betrieblichen Gefährdungen.
Ein strukturierter Überblick hilft Unternehmen dabei, ihre Verpflichtungen korrekt umzusetzen und gleichzeitig Sicherheitskultur nachhaltig zu stärken.
⚖️ Was sind Sicherheitsvertrauenspersonen?
Sicherheitsvertrauenspersonen sind Arbeitnehmer:innenvertretungen mit besonderer Funktion im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.
Ihre Aufgabe besteht insbesondere darin,
- Sicherheits- und Gesundheitsmaßnahmen zu unterstützen,
- Beschäftigte zu sensibilisieren,
- Gefahren und Belastungen aufzuzeigen,
- als Ansprechpersonen für Arbeitsschutzthemen zu wirken,
- die Zusammenarbeit zwischen Beschäftigten und Unternehmen zu fördern.
SVPs tragen wesentlich dazu bei, Prävention im Arbeitsalltag sichtbar und praxisnah zu gestalten.
Die rechtliche Grundlage bildet das österreichische ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG).
📌 Praxisbeispiel
Ein wachsendes Unternehmen beschäftigt mittlerweile über 50 Mitarbeitende. Bisher wurde das Thema Sicherheitsvertrauenspersonen informell mitgeführt.
Im Zuge einer internen Überprüfung stellt sich heraus:
- die gesetzlich erforderliche Anzahl an SVPs wurde noch nicht bestellt,
- Zuständigkeiten sind unklar,
- Beschäftigte wissen nicht, an wen sie sich bei Sicherheitsfragen wenden können.
Nach der strukturierten Einführung von Sicherheitsvertrauenspersonen verbessert sich:
- die Kommunikation zu Arbeitsschutzthemen,
- die Beteiligung der Beschäftigten,
- die Wahrnehmung von Gefährdungen,
- die Sicherheitskultur im Unternehmen.
Das Beispiel zeigt:
SVPs erfüllen nicht nur gesetzliche Anforderungen, sondern stärken auch Prävention und Sicherheitsbewusstsein.
⚙️ Ab wann sind Sicherheitsvertrauenspersonen verpflichtend?
Laut ASchG müssen Unternehmen ab einer bestimmten Beschäftigtenzahl Sicherheitsvertrauenspersonen bestellen.
Grundsätzlich gilt:
➡️ Ab mehr als 10 Beschäftigten sind SVPs verpflichtend zu bestellen.
Die genaue Anzahl richtet sich nach:
- der Anzahl der Arbeitnehmer:innen,
- der Art der Gefährdungen,
- den Arbeitsbedingungen,
- der betrieblichen Organisation.
Je höher die Beschäftigtenzahl und je komplexer die Gefährdungssituation, desto mehr Sicherheitsvertrauenspersonen können erforderlich sein.
🧮 Warum die korrekte Berechnung wichtig ist
Die Bestellung einer ausreichenden Anzahl an SVPs ist nicht nur eine formale Verpflichtung.
Eine zu geringe Anzahl kann dazu führen, dass:
- Beschäftigte nicht ausreichend betreut werden,
- Sicherheitsprobleme zu spät erkannt werden,
- Präventionsmaßnahmen nicht wirksam umgesetzt werden,
- Kommunikationswege fehlen,
- Sicherheitskultur geschwächt wird.
Gerade in größeren Unternehmen oder Unternehmen mit mehreren Standorten ist eine angemessene Verteilung wichtig.
👥 Welche Aufgaben Sicherheitsvertrauenspersonen übernehmen
SVPs haben eine unterstützende und beratende Funktion im Unternehmen.
Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem:
- Unterstützung bei Arbeitsschutzmaßnahmen
- Wahrnehmung von Gefährdungen
- Information und Sensibilisierung der Beschäftigten
- Weitergabe sicherheitsrelevanter Beobachtungen
- Mitwirkung bei Präventionsmaßnahmen
- Förderung von Sicherheitsbewusstsein
- Unterstützung bei Sicherheitskultur und Kommunikation
Wichtig ist:
SVPs tragen keine persönliche Verantwortung für die Umsetzung des Arbeitsschutzes. Diese bleibt weiterhin Aufgabe des Unternehmens.
👥 Relevanz für Unternehmen und Sicherheitskultur
Gut eingebundene Sicherheitsvertrauenspersonen leisten einen wichtigen Beitrag zu:
- gelebter Prävention,
- besserer Kommunikation,
- frühzeitiger Erkennung von Risiken,
- höherem Sicherheitsbewusstsein,
- stärkerer Beteiligung der Beschäftigten,
- nachhaltiger Sicherheitskultur.
Beschäftigte nehmen Sicherheitsprobleme häufig früher wahr als Führungskräfte oder externe Stellen. SVPs schaffen hier wichtige Verbindungen zwischen Praxis und Organisation.
🏢 Auswahl und Bestellung von SVPs
Bei der Auswahl von Sicherheitsvertrauenspersonen sollten Unternehmen darauf achten, dass die Personen:
- im Betrieb akzeptiert sind,
- kommunikativ arbeiten,
- Interesse an Arbeitsschutz zeigen,
- verantwortungsbewusst handeln,
- ausreichend Zeit für ihre Aufgaben erhalten.
Zusätzlich ist eine gesetzlich vorgesehene Ausbildung erforderlich.
Wichtig ist außerdem, dass Sicherheitsvertrauenspersonen ihre Funktion tatsächlich aktiv ausüben können und organisatorisch unterstützt werden.
📋 Typische Fehler in der Praxis
In Unternehmen treten häufig ähnliche Probleme auf:
- fehlende oder verspätete Bestellung
- unzureichende Anzahl an SVPs
- fehlende Ausbildung
- unklare Zuständigkeiten
- mangelnde Einbindung
- reine „Formalbestellung“ ohne aktive Rolle
- fehlende Kommunikation im Unternehmen
Dadurch geht wertvolles Präventionspotenzial verloren.
🗣️ Digitale Rechner und Hilfsmittel erleichtern die Umsetzung
Gerade bei gesetzlichen Anforderungen entsteht häufig Unsicherheit.
Digitale Rechner und strukturierte Hilfsmittel können Unternehmen dabei unterstützen,
- die erforderliche Mindestanzahl korrekt zu ermitteln,
- gesetzliche Anforderungen besser zu verstehen,
- organisatorische Planung zu erleichtern,
- Sicherheitsstrukturen gezielt aufzubauen.
Besonders für kleinere Unternehmen schafft dies mehr Übersicht und Rechtssicherheit.
Um Unternehmen die korrekte Ermittlung der Mindestanzahl zu erleichtern, steht auf meiner Website ein eigener Rechner zur Verfügung.
Zum Rechner für die Mindestanzahl an Sicherheitsvertrauenspersonen:
Rechner für Sicherheitsvertrauenspersonen
📋 Impulsbox für die Praxis
Fragen für Unternehmen und SVPs
- Ist die gesetzlich erforderliche Anzahl an SVPs bestellt?
- Sind die Zuständigkeiten klar geregelt?
- Wissen Beschäftigte, an wen sie sich wenden können?
- Werden SVPs aktiv eingebunden?
- Gibt es ausreichend Zeit und Unterstützung für die Funktion?
- Ist die Ausbildung aktuell?
- Wie sichtbar sind SVPs im Arbeitsalltag?
Eine wirksame Sicherheitskultur braucht sichtbare und aktive Ansprechpersonen.
✅ Fazit
Sicherheitsvertrauenspersonen sind ein wesentlicher Bestandteil moderner Arbeitsschutzorganisation.
Die korrekte Berechnung und Bestellung der erforderlichen Mindestanzahl ist nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern auch ein wichtiger Beitrag zu gelebter Prävention und Sicherheitskultur.
Unternehmen profitieren von besserer Kommunikation, höherem Sicherheitsbewusstsein und einer stärkeren Einbindung der Beschäftigten.
Denn wirksamer Arbeitsschutz entsteht dort, wo Sicherheit aktiv im Arbeitsalltag mitgetragen wird.
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